Weltweites Pfadfindertreffen beim 60. Jamboree-on-the-air im Oktober 2017

 

Ernst Michael Zitta OE1CIW beim JOTA 2017

Ernst Michael Zitta OE1CIW beim JOTA 2017

Seit 60 Jahren gibt es nun schon das „Jamboree-on-the-air“ – das weltweite Treffen der Pfadfinder auf Amateurfunkfrequenzen.

Eine eigentlich unglaublich lange Zeitspanne und besonders in den letzten Jahren gab es dazu noch zum Teil erhebliche Verbesserungen in der Empfangs- und Sendetechnik.

Die damalige Aktivität zu Beginn des JOTA kann deshalb gar nicht hoch genug geschätzt werden!

 

 

Les Mitchell G3BHK, der Gründungsvater des JOTA hätte sich wohl nicht träumen lassen, das es einmal so ein großes Interesse daran gibt. Das erste JOTA fand 1957 bei einem Weltpfadfindertreffen mit 35.000 Pfadfindern aus 62 Nationen in Sutton Park / England statt. Eine große Funkstation mit dem Rufzeichen GB3SP durfte von den Pfadfindern und ihren Leitern besucht werden und war wohl ein richtiges Highlight beim damaligen World Scout Jamboree vor 60 Jahren.

Da für den weltweiten Funkverkehr auf Kurzwelle die Anzahl der Sonnenflecken und die Sonnenaktivität ganz allgemein eine maßgebliche Rolle spielt, ist für die Qualität, wie gut eine Funkverbindung funktioniert, neben der Sonnenaktivität die Tages- und Nachtzeit und auch die dabei verwendete Frequenz und Betriebsart (Sprechfunk, Morsen, digitale Betriebsarten wie z.B. Fernschreiben, PSK31, JT65) von entscheidender Bedeutung.

Kurz gesagt: wir hatten schon deutlich bessere Funkausbreitungsbedingungen, aber die Aktivität war dennoch sehr gut! Bereits am Freitag gab es erste Funkkontakte zu anderen Pfadfinderfunkern. Mein erster Kontakt war allerdings nicht auf Kurzwelle, sondern auf UKW über einen sogenannten Umsetzer am Wiener Kahlenberg mit Hannes, OE3JSU/3 von der Pfadfindergruppe Stockerau!

Meine BEGALI HST II Einhebel Morsetaste

Meine BEGALI HST II Einhebel Morsetaste

Offenbar hatten viele Pfadfinderfunkstationen heuer angesichts der schwierigen Funkausbreitung auch einmal digitale Betriebsarten und auch Telegrafie ausprobiert, da diese mit wesentlich geringeren Bandbreiten auskommen und so die Chance auf einen Funkkontakt erhöhen.

Jedenfalls habe ich beim heurigen JOTA sogar einige Stationen mit Hilfe der Morsezeichen erreichen können: PA1ASP/J, PH50GFB/J aus den Niederlanden, 9H9PSG/J aus Malta und IR0BP aus Italien.

Das hat mich besonders fasziniert, weil ich nahezu 80 % meiner Funkverbindungen mit Telegraphie mache – also mit Morsen!

Ich bin nun seit mehr als 35 Jahren lizensierter Funkamateur und beherrsche seit dieser Zeit das Morsen. Die Telegrafisten unter uns können nicht nur das Morsealphabet auswendig, sondern müssen das Klangbild der Zeichen hören und erkennen können. Es werden also nicht Striche und Punkte abgezählt, sondern an Hand des Klangbildes das Zeichen eindeutig erkannt. Ein „L“ ist also z.B. ein „di-dah-di-dit“ oder ein „S“ ein „di-di-dit“. Eine Zahl „7“ ist z.B. „dah-dah-di-di-dit“ und ein Fragezeichen ist ein „di-di-dah-dah-di-dit“.

Als Beispiel folgender Text: „Mein Name ist Michael und QTH (Standort) ist Wien“ – mit 80 Buchstaben pro Minute

Play / Pause

Learn CW Online – LCWO.net
Text to Morse Converter

Aktuell schaffe ich problemlos ein Hörtempo von etwa 90-100 BpM (Buchstaben pro Minute) – bei speziellen Funk-Wettbewerben (Contesten) sind es zum Teil deutlich mehr – mitunter bis zu 150 Zeichen pro Minute. Natürlich ist dies abhängig von Text, Zahlen oder Sonderzeichen, die gehört werden sollen. Das Senden geht deutlich schneller und erreicht bei Funkwettbewerben schon durchaus zwischen 130-150 Zeichen pro Minute. Morsen lernen kann man natürlich auch alleine, mehr Spaß macht das Erlernen der Morsezeichen aber in Gruppen von mehreren Personen.

Web: Online Morsen lernen bei LCWO.net

 

 

Für die Erlangung einer Amateurfunklizenz ist es heute nicht mehr nötig, das Morsen zu beherrschen. Weil es dennoch aber immer wieder Nachfrage danach gibt, werden auch Kurse in verschiedenen Landesverbänden im Österreichischen Versuchssenderverband ÖVSV angeboten, wo man sich auch mittels Kursen zur Amateurfunkprüfung vorbereiten kann.

Gesticktes JOTA-JOTI Logo 2017

Gesticktes JOTA-JOTI Logo 2017

 

Sehr nette Kontakte hatte ich beim heurigen JOTA auch mittels Sprechfunk zu Stationen aus England und Schottland, wo ich mit ganz jungen Cub Scouts und Beaver Scouts auf Englisch sprechen durfte.

Steve, Funkamateur und Operator bei GB2GP – der Pfadfinderfunkstation im Gilwell Park – hatte alle Hände voll zu tun, weil sich die sechs ganz jungen Pfadfinder in seiner Funkstation sehr gerne und ohne Scheu per Funk vorstellten und jeder von ihnen auch unbedingt mit Pfadfindern aus anderen Ländern sprechen wollte.

Auch John, GM6NX aus Schottland hatte Cub Scout Rebecca in seiner Funkstation am Mikrofon.

 

Bei Norman, 5B4SPD war auch Sarah am Band zu hören und auch Tor, AO5SB aus Spanien in der Nähe von Valencia hatte große Unterstützung von der 10-jährigen Aynara, die souverän in spanisch, englisch und deutsch mit den anrufenden Pfadfinderfunkern Funkkontakte abwickelte.

Silke (15) aus Windhoek in Namibia hat beim JOTA immer viel zu tun

Silke (15) aus Windhoek in Namibia hat beim JOTA immer viel zu tun

Sehr gefreut habe ich mich über den neuerlichen Sprechfunkkontakt mit der 15-jährigen Silke an der Pfadfinderfunkstation V55JOTA – den deutschsprachigen Pfadfinder/Innen aus Namibia – diesmal auch von meiner eigenen Funkstation mit deutlich geringerem Antennenaufwand meinerseits – nämlich nur mit ein paar Metern Draht!

Innerhalb Österreichs klappte es auch zu Franz OE5XSC in Wels, Ingo OE2XWL/2 in St. Gilgen sowie mit einigen Wiener Stationen, darunter auch Ernst OE1XJA. Das geplante Treffen der OE-Stationen am Samstag Abend auf 80 m fiel bei mir leider wegen erheblichen Empfangsstörungen in diesem Frequenzbereich aus.

Weitere Pfadfinderfunkstationen, die ich an diesem Wochenende erreichen konnte, waren TM94JAM aus Frankreich, PI4ZHE/J aus den Niederlanden, GB0HDS, GB60TVS, GB2COS, GB5HDS aus Großbrittanien, OY6JAM von den Färöer Inseln, CR3AGP aus Madeira, OZ4DSR aus Dänemark, UR4VWN aus der Ukraine sowie II2JOTA aus Italien.

HB9S ist fixer Bestandteil beim jährlichen JOTA-JOTI

HB9S ist fixer Bestandteil beim jährlichen JOTA-JOTI

SK0HS/0 Mel von der schwedischen Insel Blidö mit der „Hässelby Strand’s Sea Scout group“ konnte ich ebenfalls erreichen und HB9S vom Weltpfadfinderbüro in Genf – diesmal mit Yves am Mikrofon – war ebenfalls ein Highlight für mich.

Zusätzlich hatte ich auch Funkkontakt mit Deutschland, Türkei, Ungarn, Israel und dem asiatischen Teil Russlands – dies waren aber keine Pfadfinderstationen.

Nach dem JOTA ist vor dem JOTA … ich freue mich schon auf das 61. JOTA 2018 und hoffe, viele meiner Funk- und Pfadfinderfreunde auf den Amateurfunkfrequenzen wieder zu treffen.

Herzliches Gut Pfad aus Wien / Österreich – Michael OE1CIW

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