JOTA 2013 – OE3J in Bruck an der Leitha

Am Wochenende des 19./20. Oktober 2013 war die Pfadfindergruppe Bruck an der Leitha mit Unterstützung des Club Telescout erstmalig beim JOTA/JOTI aktiv. Die umfangreichen Vorbereitungen konnten urlaubsbedingt erst gegen Mitte September erfolgen und so traf sich der Großteil unseres JOTA/JOTI Teams – Susanne Huber OE3YOS, Sven-Eric Janc OE3BLS, Ernst Michael Zitta OE1CIW, Roland Spannagl OE3CTS, Christian Löw, Klaus Köpplinger – in Wien zum gegenseitigen Austausch, Brainstorming, Programmplanung sowie Organisieren der ganzen Veranstaltung.

Danach wurde vorwiegend per Email und Facebook die Details abgeklärt, um das Gelingen der Veranstaltung zu sichern. Das JOTA/JOTI war in der Pfadfindergruppe Bruck an der Leitha als Gruppenveranstaltung geplant und umfasste für WiWö und GuSP folgende Stationen:

  • Kurze einfache Präsentation mittels Videobeamer von Roland Spannagl OE3CTS, um den WiWö und den GuSp auf einfache Weise zu zeigen, was Amateurfunk ist
  • Kurzwellenstation mit drehbarer 5 Band Spiderbeam für 10, 12, 15, 17, 20 m, Inverted-V Dipole für 40 und 80 m sowie eine Delta Loop für 40 m
  • UKW Station mit D-Star, Echolink sowie Relaisbetrieb auf 2m und 70 cm mit einem ICOM IC-7100 und einer X-30 Vertikalantenne
  • Paperclip-Keys bauen – das sind Morsetasten aus Holz, ein paar Kleinteilen und einer Büroklammer, die von den Kindern selbst hergestellt wurden
  • Tongenerator Bausatz zusammen löten – auch das wurde von den Kindern und Jugendlichen unter Hilfe von Otto und Heinz bewerkstelligt
  • Morsen – mit den fertigen Morse Tongeneratoren und den Paperclip Keys konnte man Morsezeichen üben
  • Fuchsjagd im benachbarten Harrachpark
  • Verwendung von PMR-Geräten bei einem Geländespiel
  • Versuch die Internationale Raumstation ISS zu hören

Vor der eigentlichen Veranstaltung war unter anderem noch allerhand zu erledigen:

  • Rechtzeitiges Entwerfen und Bestellen der sogenannten QSL-Karten (Empfangsbestätigungskarten) für unsere Pfadfinder Amateurfunk Sonderstation OE3J
  • Rechtzeitige Fertigung der Morse-Tongenerator Leiterplatten in China und Zusammenstellen der Bausätze
  • Rechtzeitiges Bestellen der JOTA/JOTI Aufnäher fürs Pfadfinderhemd
  • Roland ließ in Krems noch vor der Veranstaltung sogenannte Rufzeichen Aufnäher für die lizenzierten Funkamateure unseres Teams in einer Stickerei fertigen
  • Fertigen von 4 Bodenbefestigungen aus Aluminium für das Mast-Stativ unseres KW-Antennenmastes
  • Rechtzeitiges Erstellen einer Werbung für unsere JOTA/JOTI Aktivität der Pfadfindergruppe Bruck an der Leitha im Wien und Österreich Rundspruch
  • Rechtzeitiges Bewerben der Veranstaltung auf der Webseite des Club Telescouts sowie in mehreren Facebook Gruppen/Seiten

Freitag gegen 12 Uhr mittags trafen die ersten von uns am Gelände des Pfadfinderheims Bruck ein und es wurde zunächst einmal drinnen im WiWö Raum Rolands KW-Station sowie der D-Star Transceiver von Sven OE3BLS und Susanne OE3YOS aufgebaut, weil sich Michael OE1CIW ein wenig verspätet hatte – er brachte praktisch alle Kurzwellenantennen sowie die dazu notwendigen Antennenmaste mit dem Auto von Wien mit. Um 14 Uhr konnten wir dann auch mit dem Aufbau der Kurzwellen-Antennen beginnen und das war gerade noch zeitgerecht, weil wir wussten, das es gegen 18 Uhr dunkel wurde.Während des ganzen JOTA/JOTI wurden wir dankenswerterweise bereits ab Freitag auch zusätzlich von den Altpfadfindern Heinz und Otto sowie von Rainer Kirsch OE1KIS bei der Veranstaltung tatkräftig unterstützt !!! Beim Aufbau der Kurzwellen-Antennen wurde natürlich zuerst mit der Spiderbeam begonnen, weil diese hervorragende Antenne doch etwas mehr Zeit zum Aufbau braucht. Nach und nach nahm die Antenne Formen an und aus zwei langen Kartons voll mit Material wurde nach einigen Stunden intensiver Arbeit mehrerer Personen urplötzlich ein Ungetüm aus Draht, Kevlar und Glasfaser mit 10 x 10 m Größe.Auf der Antenne wurde dann noch der Balun befestigt und dann ging es schon ans Aufstellen des 12 m hohen Alu Schiebemastes. Das RG-213 Kabel noch schnell am Balun der Spiderbeam angeschlossen und rauf damit – der Mast wurde von uns an 2 Stellen jeweils mit 4 Seilen an eigenen Oberlagern abgespannt, so konnten wir den kompletten Mast mit unserem Rotor – der ganz am Boden im Maststativ befestigt war – problemlos drehen.Es war jetzt schon deutlich nach 18 Uhr und draußen schon relativ finster, daher unterstützte Sven uns jetzt mit einem starken Baustrahler, der etwas Licht ins Dunkel brachte. Wir begannen nun den Kelemen Doppeldipol für 40 und 80 m aufzuhängen – schließlich wollten wir auch auf den unteren Amateurfunkfrequenzen Verbindungen machen. Die beiden Dipole – die gemeinsam gespeist sind – wurden auf einem 12 m hohen GFK-Mast der Firma Von der Ley als Inverted-V aufgebaut.Das hatte 2 Vorteile: Erstens wurde die benötigte Abspannlänge der Dipolschenkel kürzer und zweitens hatten wir dadurch eher eine Rundstrahl-Charakteristik, was wir für Europa-Verkehr ohnedies brauchten. Der Mast wurde einfach mit großen Kabelbindern an einer vorhandenen Holzlatte, die am Dach des Geräteschuppens montiert war, befestigt. Die zuvor behelfsmäßig montierte X-30 Vertikalantenne für den UKW-Funk wurde auf einem 8 m Alu Schiebemast montiert, den wir ebenfalls mit Kabelbindern am Basketballkorb-Mast befestigten.Als letzte Kurzwellenantenne wurde noch in einigem Abstand zur Spiderbeam und des 40/80 m Doppeldipols eine Deltaloop für 40 m mit ungefährer Vorzugsrichtung NNW/SSO gebaut mit einem weiteren 12 m hohen GFK-Mast als Abspannpunkt an der Spitze der Deltaloop und seitlicher Einspeisung mit einer 75 Ohm Transformationsleitung und weiter mit normalem RG-213 in die Funkstation. Auch hier wurde der Mast auf einem bereits vorhandenen zweiten Basketballkorb-Mast befestigt. Die Antenne selbst wurde aus 0,75² Installationsdraht und Porzellan-Eiern sowie Kunststoff-Isolatoren an Ort und Stelle hergestellt. Um etwa 21 Uhr waren endlich alle Antennen montiert und wir konnten Freitag Abend bereits die ersten Funkkontakte machen. Die Kurzwellen-Funkbedingungen waren nach den vielen Flares und Sonneneruptionen sowie koronalen Massenauswürfen auf der Sonne gerade in den letzten Wochen vor dem JOTA überraschend gut. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden einmal alle Antennen ausgiebig getestet und wir konnten auf 40 m ohne Probleme die Balearen (EA6) sowie die USA (N2) erreichen. Die gearbeiteten Länder wurden aus unserer Logbuch-Datenbank ausgelesen und mittels Video-Beamer auf einer Weltkarte rot angezeigt. Der Spiderbeam hatte auch ohne Tuner eine hervorragende Anpassung auf den jeweiligen Bändern und auch die Drahtantennen für die unteren Bänder funktionierten erstklassig. Die UKW-Anlage spielte auch hervorragend, nachdem wir die behelfsmäßig installierte Antenne nun auf 8 m Höhe gebracht hatten und mit 25 m dämpfungsarmen Ecoflex 10 Koaxialkabel als Speiseleitung verbunden hatten. So konnten über das UHF Relais am Kahlenberg, das auch über Echolink Möglichkeit verfügt, viele schöne Kontakte gemacht werden.Spät in der Nacht gab es dann noch ein kurzes Zusammentreffen des JOTA/JOTI Teams um den nächsten Tagesablauf zu besprechen. Am kommenden Samstag war eben der Tag, wo wir ein Tagesprogramm für die WiWö und die GuSp ausgearbeitet hatten und wir wirklich gefordert wurden. Mittlerweile war es Samstag 02:30 früh geworden und es kehrte Ruhe ein. Die Nacht war ziemlich kurz, aber sehr erholsam und kurz nach 6 Uhr 30 war Michael OE1CIW schon wieder am fotografieren und nach einem herrlichen Frühstück etwas später an der Kurzwellenstation von OE3J.Nach einer Verbindung mit Franz OE5XSC – JOTA Station aus Wels – wechselten wir auf die Bänder 10 m und 20 m. Vor allem auf dem 10 m Band waren den ganzen Tag über besonders interessante Stationen zu arbeiten, weil die Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle wirklich ganz hervorragend waren. Auch mit unserer UKW-Station machten wir sehr schöne Verbindungen über das Kahlenberg-Relais sowie D-Star und Echolink. Wir konnten auch verschiedene Funkamateure aus Österreich und Ungarn sowie JOTA Stationen aus folgenden Ländern erreichen: Österreich – darunter OE2IKN aud St. Gilgen, OE5XSC aus Wels, OE3XSS aus Schwechat, OE2XWL aus Felbertal sowie Pfadfinderstationen aus Deutschland und den Niederlanden.Insgesamt erreichten wir 141 Stationen bei diesem Jamboree-on-the-air, davon waren 67 Stationen auch Pfadfinderstationen. Die Länderbilanz unserer JOTA Station OE3J ist wirklich bemerkenswert, vor allem weil wir nur mit etwa 100 Watt Sendeleistung Betrieb machten. So konnten wir neben reihenweise Japanern, Kazakhstan, Kamerun Kanada, Madeira, etlichen Stationen aus den USA, Spanien, Portugal, Südafrika, Algerien, Tschechische Republik, Deutschland, Polen, Brasilien, Finnland, Italien, Europäisches und Asiatisches Russland, Frankreich, Cap Verdische Inseln, Slowakei, Argentinien sowie sogar Pfadfinder-Stationen aus folgenden Ländern arbeiten: Oman, Niederlande, Ukraine, Schweden, Großbrittanien, Italien, Griechenland, Österreich, Luxemburg, die USA mit K2BSA/J Boy Scouts of America und WT4IX Boy Scout Troop 49, Portugal, Algerien, Azoren, Finnland, Malta, Tunesien, Dänemark, Norwegen, Belgien, Japan, West Malaysia, Estland, Gambia, Libanon, Vereinigte Arabische Emirate, HB9S vom Pfadfinder Weltbüro in Genf und als besonderes Highlight V55JOTA – eine deutschsprechende JOTA Station aus Namibia sowie Albert 5R8GZ, eine Pfadfinderstation (und gleichzeitig auch der JOTA Coordinator) aus Madagaskar!!!

Hier habe ich auf Youtube ein tolles Video von V55JOTA aus Namibia gefunden, wo man Seraina (13) beim Stationsbetrieb im JOTA 2013 sieht – eine Pfadfinderin, die jede Menge weit entfernter Funkstationen zu arbeiten hat … wir waren auch eine der dort an diesem Wochenende 703 gearbeiten Stationen! In der Nacht von Samstag auf Sonntag machte fast unser ganzes Team einen Besuch bei unserer JOTI-Mannschaft und hatten eine Menge Spaß bei einem Videochat nach Peru ! So wurde mit all unseren tollen Spanischkenntnissen eine sehr lustige Videoverbindung nach Lima aufgebaut und es war auch für die Funker eine echte Bereicherung, sich auch einmal eine JOTI-Verbindung anzusehen.Je länger die Verbindung dauerte, umso mehr wuchsen wir über uns hinaus und es wurde jedes noch so merkwürdig klingende Spanisch an die Oberfläche gezerrt und sofort stolz unserem Gegenüber in Lima präsentiert. Auch unser Gesprächspartner in Peru hatte sichtlich eine echte Hetz dabei und sogar ein Abzeichentausch konnte per Videochat vereinbart werden!Es war gar nicht so einfach, unsere 10 Pfadis gemeinsam mit der eingebauten Notebook Kamera „einzufangen“ aber das haben wir dann auch recht gut geschafft ! Die Funker unter uns waren ausgesprochen überrascht, wie toll auch JOTI funktioniert und das sogar mit Video!!! Jetzt wo wir wissen, wie alles geht, können wir es fast nicht erwarten, beim JOTA/JOTI 2014 wieder aktiv zu sein!Zusätzlich zu weltweiten Verbindungen über Funk und Internet wurden den Kinder und Jugendlichen auch noch weitere Highlights geboten. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Heinz und Otto vom Altpfadfinderklub und Roland OE3CTS vom ÖVSV Jugendreferat durften die Kids ihre eigene „Paperclip Key“-Morsetaste bauen und einen Tongenerator-Bausatz fertig löten. Die fertigen Morsetasten und die Tongeneratoren durften als Erinnerung natürlich mit nach Hause genommen werden.Im nahe gelegenen Harrachpark wurden bei einer „Fuchsjagd“ – die Rainer OE1KIS betreute – zuvor versteckte Füchse (kleine Peilsender) mit Hilfe von eigens mitgenommenen Peilempfängern gesucht und auch gefunden. Ein paar Funkverbindungen wurden Samstag abend auf Kurzwelle und UKW auch noch gemacht, sogar eine Verbindung nach USA in der digitalen Betriebsart PSK31, dann wurde aber der Schalter umgelegt und wir gingen hundemüde vom ereignisreichen Samstag schlafen.Sonntag vormittag wurde nochmal ordentlich gefunkt und auch Sven OE3BLS und Susanne OE3YOS probierten den Spiderbeam auf Kurzwelle aus. Es konnte so gut wie alles gearbeitet werden, was gehört wurde. Neben praktisch ganz Europa ging es nach Asien, etwas später auch nach USA, Südamerika und vor allem nach Afrika ganz hervorragend und Michael OE1CIW hätte am liebsten gar nicht aufhören wollen, Funkkontakte mit anderen JOTA Stationen herzustellen…Bei besonders seltenen Stationen, die vielleicht nicht gleich auf Anhieb zu arbeiten waren, kam von Michael OE1CIW auch gleich der hoffnungsvolle Wunsch nach einem 1000 Watt Leistungsverstärker auf. Aber im Grunde wurden wir mit unseren 100 Watt Sendeleistung und unserer Spiderbeam praktisch überall in der Welt mit sehr lautem und gutem Signal gehört.

Ich denke, wir können mit den erreichten Stationen sehr zufrieden sein und es funktionierte eigentlich alles nach Wunsch. Die guten Funkbedingungen ermöglichten grossartige Funkverbindungen und auch unser JOTI Team war sichtlich begeistert von diesem JOTA/JOTI. Wie es dann daran ging, die Station langsam wieder abzubauen, waren alle der Meinung, das wir beim JOTA/JOTI 2014 selbstverständlich wieder mit der Pfadfindergruppe Bruck an der Leitha aktiv dabei sein möchten!!!

Wir bedanken uns ganz herzlich für die sehr nette Gastfreundschaft und die wirklich tolle Zusammenarbeit in jeder Hinsicht – nicht zu vergessen auch ein grosses Dankeschön für die viele Freizeit, die ihr alle auch in die Vorbereitungszeit für die einzelnen Projekte und Ideen vor dem JOTA/JOTI geopfert habt! Eure Pfadfindergruppe Bruck an der Leitha hat das JOTA/JOTI 2013 ganz hervorrragend ausgerichtet und gemanagt – ihr habt euern Kindern und Jugendlichen damit ein wirklich schönes Erlebnis beschert, denn wo hat man schon so viele verschiedene Möglichkeiten, an einem Wochenende mit so vielen Pfadfinder/Innen aus aller Welt in Kontakt zu treten?

In diesem Sinne ein herzliches GUT PFAD und wie wir Funkamateure auch beim Morsen sagen: CUAGN (see you again) …